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CLUSTERPOLITIK

Motor für Innovation oder alter Wein

  • Welcher Weg führt auf den Wachstumspfad zurück? Ein Patentrezept für eine kurzfristige Lösung gibt es offensichtlich nicht. Langfristig gilt jedoch: Neuartige Produkte, Dienstleistungen und Verfahren bieten hochentwickelten Volkswirtschaften wie Deutschland auch in Zukunft Wachstumschancen. Dafür brauchen wir Unternehmen, die Erfindungen erfolgreich am Markt durchsetzen. Durch die steigende Komplexität von Innovationsprozessen sowie den erhöhten internationalen Wettbewerbsdruck sind dabei – gerade kleine und mittlere – Unternehmen zunehmend auf Netzwerke und Kooperationen mit anderen Unternehmen oder Forschungseinrichtungen angewiesen.

  • Cluster sind räumlich konzentrierte Unternehmen und unterstützende Institutionen (z. B. Forschungseinrichtungen, Verbände oder auch Industrie- und Handelskammern), deren Aktivitäten sich ergänzen oder miteinander verwandt sind. Cluster können für Unternehmen eine Reihe von konkreten Vorteilen mit sich bringen, wie eine intensivere Zusammenarbeit mit der Forschung, besseren Zugang zu hochqualifizierten Mitarbeitern und einen effektiven Technologietransfer. Berühmtestes Beispiel dafür ist das „Silicon Valley” südöstlich von San Francisco. Daher stellt sich die Frage nach dem Erfolgsrezept und wie es in Deutschland umgesetzt werden kann.

  • Clusterpolitische Initiativen finden sich auf allen Ebenen. Brüssel versucht mit einem „European Cluster Observatory”, die Clusterpotenziale einzelner Regionen zu bewerten, Berlin hat 2007 erstmals einen Spitzenclusterwettbewerb gestartet, und auch auf Ebene der Länder gibt es Förderinitiativen zur Entwicklung von Clustern. Sicher ist, dass allein in Deutschland mehrere hundert Clusterinitiativen öffentlich gefördert werden. Dabei sind Ähnlichkeiten mit altbekannten industriepolitischen Ansätzen zur Förderung bestimmter wirtschaftlicher Strukturen unübersehbar. Deshalb ist es wichtig, dass Clusterpolitik die Vielfalt wirtschaftlicher Strukturen und den Wettbewerb der Ideen nicht einschränkt.

  • Basis jeder clusterpolitischen Aktivität sollten die Bedürfnisse der Unternehmen sein. Schließlich wissen die Akteure vor Ort am besten, welche Rahmenbedingungen für erfolgreiche Cluster in ihrer Region notwendig sind. Ohnehin sollte nicht die direkte finanzielle Clusterförderung im Mittelpunkt einer „guten” Clusterpolitik stehen. Am besten kann die Politik als Impulsgeber eine selbsttragende Clusterentwicklung in den Regionen stimulieren, z. B. durch:

- die Bereitstellung von Rahmenbedingungen, die eine größere Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erlauben;

- Standortentscheidungen für Forschungseinrichtungen;

- die Forschungsförderung kooperierender Clusterakteure.

  • Wenn sich Politik für eine direkte finanzielle Förderung von Clustern entscheidet, sollte sie sich immer auf eine Anschubfinanzierung, z. B. für ein Clustermanagement, beschränken. Zudem sollte eine direkte finanzielle Clusterförderung von Beginn an zeitlich begrenzt und degressiv ausgestaltet werden, einen Eigenbeitrag erfordern sowie Anreize für selbsttragende Strukturen setzen. Denn für einzelne Unternehmen wie auch für Cluster gilt: Allein der Markt bestimmt letztlich über den Erfolg.

Ansprechpartner:

Dr. Ralf Geruschkat, DIHK Brüssel, Tel. 0032-(0)2-286-1628

Michael Liecke, DIHK Berlin, Tel. 030-20308-1540