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STANDORTPOLITIK

Die Wiederentdeckung der Region: Chancen und Potenziale in der globalen Wirtschaftsentwicklung

Die Globalisierung, das Internet und allerlei anderer innovativer Technologien schienen für die Bedeutung von Regionen rund um den Erdball das Ende einzuläuten. Sollten nämlich alle Informationen, das Kapital und auch die Arbeit als Produktionsfaktoren überall und zu relativ vergleichbaren Kosten verfügbar sein, müssten doch lokale und regionale Unterschiede wegfallen. Dadurch würden Nachteile nivelliert, der Globus könnte zusammenwachsen. Das „Ende der Geographie“ wurde von führenden Ökonomen wie dem US-Amerikaner Paul Krugman bereits auf dem Höhepunkt des Internet-Hype voreilig ausgerufen. Aber konnte das wirklich funktionieren? Wie wir heute wissen: es konnte nicht.

Denn die mal geschmähte, mal hoch gelobte Internationalisierung der Wirtschaft vollzieht sich nicht anonym, nicht standortunabhängig. Sie findet letztlich zwischen Akteuren und wenigen Standorten in Regionen, an Knotenpunkten der Kompetenz und Kristallisationspunkten von Wachstum und Entwicklung statt. Wirtschaftliche und soziale Aktivitäten sind verortet. Dort, in den so genannten Clustern innerhalb abstrakter politischer Systeme und Volkswirtschaften, entstehen die neuen Kraftzentren und Regionen, die in der Zukunft die Wirtschaftsentwicklung anführen. Räumliche Unterschiede, die sogenannten Disparitäten zwischen Regionen und Ländern, waren und sind in der globalen Wirtschaftsentwicklung zwar zu beklagende Realität, aber nur schwierig zu beeinflussen und abzuändern. Im Gegenteil: immer mehr Stimmen werden laut, die gerade diese regionalen Unterschiede, die unterschiedliche Gewichtung und Verteilung von Stärken und Schwächen als ureigenen Wettbewerbsvorteil sehen, um sich im Zuge der Globalisierung zu profilieren und zu behaupten. Einige, wie Allen Scott, Geographieprofessor aus Los Angeles, halten die Globalisierung sogar als wichtige Ursache für eine Art neuer Regionalisierung. Denn der Standortwettbewerb wird immer härter, lässt globale Verlierer wie viele Entwicklungsländer zurück, aber bringt viele Länder auch nach vorne, macht einstmals rückständige Regionen zu Gewinnern, ehemals bedeutsame Industrieregionen zu strukturschwachen Räumen und verändert die wirtschaftliche Landkarte mit atemberaubender Geschwindigkeit. Damit bringt der Bedeutungswandel von Regionen natürlich auch enorme Chancen für ehemals abgeschlagene Standorte. Um in diesem Wettbewerb mithalten zu können, müssen Regionen sich vernetzen, ihre Stärken herausarbeiten, zusammenarbeiten oder sich sogar völlig neu erfinden.