International

Report Außenwirtschaft NRW 2016/2017

Krisen beeinflussen das Auslandsgeschäft

Mit Exporten von 180 Milliarden Euro im Jahr 2016 fällt Nordrhein-Westfalen als ehedem exportstärkstes Bundesland hinter das Vorjahr zurück und ist nun nach Baden-Württemberg und Bayern drittstärkstes Exportland der Bundesrepublik. Das ist das Fazit des aktuellen Außenwirtschaftsberichts von IHK NRW, dem Zusammenschluss der 16 Industrie- und Handelskammern in NRW. Der Report Außenwirtschaft NRW 2016 | 2017 erläutert das aktuelle Zahlenwerk und zeigt für die relative Exportschwäche NRWs mehrere Gründe auf.

Mit ziemlich genau 180 Milliarden Euro im Jahr 2016 konnte NRW diese Dezimalmarke des Exportumsatzes knapp behaupten. Damit lag der Export um 930 Millionen Euro unter dem Niveau des Vorjahres. 2016 war für die Exportwirtschaft eine Herausforderung: Unter den 10 wichtigsten NRW-Exportländern, von denen allein acht der EU angehören, ging der Ausfuhranteil Richtung China, USA und dem Vereinigten Königreich zwischen 4,3 und 5,3 Prozent zurück. Zudem hatten die Krisen etwa in Russland, der Ukraine und der Türkei starken Einfluss auf das internationale Geschäft vieler Unternehmen. „Die Unternehmen in NRW haben es insgesamt verstanden, der schwächeren Nachfrage in wichtigen Abnehmerländern und Krisenregionen durch Exporte in Wachstumsmärkte flexibel zu begegnen“, sagt Dr. Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer IHK NRW. Zudem konnten Zuwächse bei den Exporten in die Niederlande, nach Italien und Polen den Außenwirtschaftsumsatz stabilisieren.

Mit 44 Prozent erzielt das verarbeitende Gewerbe fast die Hälfte seines Umsatzes jenseits der deutschen Grenzen. Mit 118 Milliarden Euro gingen knapp zwei Drittel der Exporte in die Partnerländer der Europäischen Union, vor allem in die Niederlande (18,6 Milliarden Euro), nach Frankreich (15,2 Milliarden Euro) und Großbritannien (13,2 Milliarden Euro). Bei den Ausfuhren in das Vereinigte Königreich war allerdings nach kräftigem Wachstum von 14,1 Prozent im Jahr 2015 ein Exportrückgang von 5,3 Prozent zu verzeichnen. „Hier scheint der bevorstehende Brexit bereits seine Schatten voraus zu werfen. Außerdem dürfte die damit einhergehende Schwächung des Britischen Pfunds hier eine Rolle spielen“, sagt Alexander Hoeckle, Geschäftsführer der IHK Köln und NRW-Federführer Außenwirtschaft.

Freier Handel stockt – Handelsbarrieren nehmen zu

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: die Unternehmen sehen sich mit einem unzureichenden Abbau von Handelsbarrieren konfrontiert. So ist das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA zumindest auf Eis gelegt, wenn nicht gescheitert. Die Unternehmen erfahren insbesondere in Nordamerika, Ost- und Südosteuropa sowie China die stärksten Handelsbarrieren, wie etwa nationale Zertifizierungsanforderungen, einen erschwerten Zugang zu öffentlichen Aufträgen oder höhere Zölle.

Brexit – Unkomplizierter Marktzugang sollte Priorität genießen

Der drohende Brexit des drittgrößten Handelspartners der nordrhein-westfälischen Wirtschaft bereitet ebenso Sorgen: Immerhin 60,5 Prozent der befragten NRW-Unternehmen gaben an, in Großbritannien aktiv zu sein. Oberste Priorität hat für die NRW-Unternehmen bei den Brexit-Verhandlungen ein auch zukünftig unkomplizierter Marktzugang mit weiterhin freiem Warenverkehr.

Peak Trade – Studie benennt Gründe für verlangsamtes Exportwachstum in NRW

Die Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) „Peak Trade? Auswirkungen einer weltwirtschaftlichen Wachstumsverlagerung auf das Exportland NRW“, die IHK NRW 2016 in Auftrag gegeben hatte, stellt fest, dass der Welthandel an Dynamik verliert und das Tempo der Globalisierung sinkt. Einen Grund sieht man in der steigenden Konzentration auf die Binnenwirtschaft in den Schwellenländern – mit geringeren Importen. Diese strukturell bedingte Abschwächung des Welthandels trifft NRW in einer Zeit, in der das Land gegenüber anderen Bundesländern im Export zurückgefallen ist. Von 2002 bis 2015 erhöhten sich die NRW-Ausfuhren um 52 Prozent, während sie im Bund um 84 Prozent wuchsen.
Als Ursachen für das Zurückfallen identifiziert das RWI
• die Exportfokussierung auf die deutlich langsamer als etwa Asien wachsende EU
• die NRW-Branchenstruktur u.a. mit geringerer Bedeutung der KFZ-Industrie sowie als größten Faktor
• einen negativen Standorteffekt mit möglichen Ursachen in den Innovationsbedingungen und in harten Standortfaktoren wie Kostenbelastungen der Infrastruktur.
Die IHKs regen hier an, die Ausrichtung der Exportaktivitäten und der Außenhandelsförderung neu zu justieren und flexibler auf die wirtschaftlichen Bedarfe auszurichten, sich stärker auf Länderschwerpunkte außerhalb Europas zu konzentrieren oder auch neue Wege zu beschreiten, etwa im digitalen Export.