Azubi-Speed-Dating 2018

Vom Suchen und Finden künftiger Fachkräfte

Vier Stunden lang drehte sich am 15. Februar in der Philharmonie Essen alles um ein Thema: Kontakte knüpfen – rein beruflich natürlich. Bereits zum siebten Mal veranstaltete die IHK zu Essen ihr Azubi-Speed-Dating, um Jugendliche und Unternehmen an einen Tisch zu bringen.
Das Konzept ist einfach: Während die Sanduhr läuft, hatten die Bewerberinnen und Bewerber 10 Minuten Zeit, sich im Gespräch mit Unternehmern, Personalleitern oder Ausbildern interessant zu machen – und umgekehrt. Anschließend wurde zum nächsten Gesprächspartner gewechselt. 1.000 Jugendliche nutzten die Gelegenheit, sich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben oder unbekannte Firmen kennenzulernen. Sie trafen auf 100 Unternehmen aus Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen. Auf der Suche nach potenziellen Azubis hatten sie 700 offene Ausbildungsplätze in den Bereichen Büroberufe, Handel, Metall- und Elektroberufe, Hotel- und Gaststättengewerbe, IT und Medien – davon 20 in Verbindung mit einem Dualen Studium – im Gepäck.

Darunter auch Stephanie Hegendorf und Christina Symannek von der Elomech-Gruppe aus Mülheim an der Ruhr, die bereits zum dritten Mal dabei waren. „Der heutige Tag ist seit langem fest eingeplant. Denn hier haben wir die Möglichkeit, mit vielen jungen Menschen in relativ kurzer Zeit ins Gespräch zu kommen.“ Zurzeit bildet das Unternehmen mehr als 80 Auszubildende im kaufmännischen und gewerblichen Bereich aus, gesucht werden noch 30 weitere. Eine echte Herausforderung, wie Personalreferentin Stephanie Hegendorf bekennt – insbesondere bei den handwerklichen Berufen wie beispielsweise Elektroniker oder Technischer Systemplaner. „Wir sind allen, die sich uns vorstellen, aufgeschlossen gegenüber und sehen auch über weniger gute Schulnoten hinweg, solange auf dem Zeugnis nicht ausschließlich ‚Fünfer‘ stehen. Voraussetzung sind zwar ein Hauptschulabschluss sowie Zuverlässigkeit, Engagement und technische Affinität. Aber in erster Linie sollte die Chemie stimmen, denn wir sind ein familienfreundliches Unternehmen und legen viel Wert auf ein nettes Miteinander“, ergänzt Ausbildungsbeauftragte Christina Symannek. Trotz der Besetzungsprobleme sind die beiden engagierten Frauen zuversichtlich, geeigneten Nachwuchs zu finden. Dafür nehmen sie auch an Jobmessen und anderen relevanten Veranstaltungen in der Region teil und besuchen Schulen, um auf sich aufmerksam zu machen. Auch neue Wege scheuen sie nicht: So findet am 13. März ein eigenes Elomech-Azubi-Speed-Dating auf dem Mülheimer Hauptverwaltungsgelände an der Mainstraße 21 statt, „denn von nichts, kommt auch nichts.“

Ähnlich lautet auch die Devise von Michael Spiering und seiner Frau Mechthild, die das Garten-Center Spiering in Oberhausen und Wesel betreiben: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg eben zum Propheten.“ Für das Unternehmerpaar ist die Teilnahme eine Premiere und der erste Eindruck überzeugte: „Die Vielfalt der beteiligten Firmen motiviert uns total. Hier begegnen sich Unternehmen auf Augenhöhe und jeder hat dieselben Chancen: große, mittelständische, kleine, bekannte und weniger bekannte“, freut sich der Inhaber. „Wir sind auf der Suche nach vier Auszubildenden für den Verkauf. Dafür wünschen wir uns kommunikative, selbstbewusste und freundliche Persönlichkeiten, die mit Herz bei der Sache sind und Freude am Kontakt mit Menschen haben. Offen gesagt, Schulnoten sind absolut zweitrangig für uns.“ Den Vorteil an ihrem Beruf sehen sie in der naturverbundenen, abwechslungsreichen Tätigkeit rund um Haus und Garten – denn jede Jahreszeit biete andere Gestaltungsmöglichkeiten. Aber wie andere Betriebe hätten auch sie erkennen müssen, dass die Qualität der Bewerbungen abnehme. Daher setzen sie große Hoffnungen auf das Azubi-Speed-Dating, wo der persönliche Eindruck im Vordergrund steht. „Wenn uns die Bewerber sympathisch sind, laden wir sie zu weiteren Gesprächen und Probearbeiten ein. So bekommen wir einen besseren Eindruck, ob der- oder diejenige ins Team passt“, erklärt Mechthild Spiering.

Dem kann sich Susanne Poschmann aus der Personalabteilung von Hans Soldan nur anschließen. Seit 2012 ist das Essener Dienstleistungsunternehmen regelmäßig beim Azubi-Speed-Dating vertreten. „Wenn wir der Meinung sind, dass der Bewerber gut zu uns passen könnte, laden wir ihn zu einem ausführlicheren Gespräch zu uns ein. Das – und die Praxis - sind uns wichtiger als Einstellungstests, auch wenn wir nicht komplett auf sie verzichten können.“ Den 15. Februar hat Susanne Poschmann schon lange vorgemerkt, denn anders als bei der Online- oder Papier-Bewerbung gewinne sie hier direkt einen ersten Eindruck von den Bewerbern – und der zähle. „Alle Jugendlichen, die wir auf dem Azubi-Speed-Dating kennengelernt haben, waren sehr motiviert und vermittelten einen höchst interessierten Eindruck.“ Zusätzlich zu den derzeit acht beschäftigten Azubis sucht sie für August 2018 noch drei weitere als Kaufleute Dialogmarketing, Mediengestalter – und ganz neu: Kaufleute für E-Commerce. „Die Digitalisierung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Durch die spezialisierte Ausbildung sichern wir unseren passgenauen Fachkräftenachwuchs nicht nur in der Mediengestaltung, sondern auch im Shop-Management“, erklärt Poschmann. Auch dieses Jahr habe sich die Teilnahme an der Veranstaltung sehr gelohnt. „Wir konnten viele interessante Gespräche führen und sind uns sicher, dass der ein oder andere potenzielle Azubi dabei war. Einen Gesprächstermin haben wir bereits vereinbart, ansonsten warten wir nun auf weitere Bewerbungen, die sich nach der Veranstaltung immer ergeben.“ In jedem Fall hat Soldan das Azubi-Speed-Dating 2019 wieder fest eingeplant.
Bilder vom 7. Azubi-Speed-Dating