IHK-Initiative

Verantwortung. Unternehmen!

Nachhaltigkeit wird oftmals als das Modewort des 21. Jahrhunderts verpönt. In verschiedensten Kontexten willkürlich genutzt, geht die eigentliche Bedeutung oftmals verloren. Genau hier knüpft die IHK-Initiative „Verantwortung. Unternehmen!“ an. In Form von kompakten Veranstaltungen und Informationstransfer sollen praxisnahe Impulse gegeben, konkrete Erfahrungen genutzt, der regionale Austausch gefördert und aufgezeigt werden, wie auch der Mittelstand mit nachhaltigem Wirtschaften langfristige und geschäftliche Vorteile generieren kann. Denn es handelt sich eben nicht nur um ein Modewort.

Hintergrund & Motivation

Globalisierung, Digitalisierung, Ressourcenknappheit und demografischer Wandel – diese Megatrends prägen unsere Zeit und stellen Herausforderungen für Unternehmen jeder Größe und Branche dar. Politische Rahmenbedingungen, neue bzw. bevorstehende gesetzliche Regelungen etwa zu CSR-Berichtspflichten oder zur Einführung von Prozessen menschenrechtlicher Sorgfalt, Kunden und zahlreiche Stakeholder beeinflussen das wirtschaftliche Tun.
Als Teil der Gesellschaft tragen auch Unternehmen Verantwortung. Unternehmerische Verantwortung spielt bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) schon immer eine wichtige Rolle. Mit regionaler Anbindung leben sie ihr gesellschaftliches Engagement meist intuitiv – und das oft sehr erfolgreich: Sie respektieren die Interessen ihrer Mitarbeiter, investieren zum Beispiel in Weiterbildungsangebote, in eine ausgeglichene Work-Life-Balance oder soziale und kulturelle Projekte. Es entsteht eine Win-Win-Situation für Unternehmer und ihre Mitarbeiter.

Corporate Social Responsibility – Ein Modebegriff?!

Meist hängt in diesen Zusammenhängen der Begriff CSR im Raum. Aber was bedeutet CSR eigentlich? Als Corporate Social Responsibility (CSR) wird die Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf die Gesellschaft bezeichnet. Dabei ist nicht nur die soziale Verantwortung von Unternehmen gemeint, sondern ihre gesamtgesellschaftliche, also auch ihre ökologische und ökonomische Verantwortung. Bei CSR geht es nicht darum, was mit Gewinnen aus unternehmerischer Tätigkeit geschieht, sondern wie Gewinne erwirtschaftet werden, nämlich nicht auf Kosten Dritter.
Es geht nicht um Gutmenschentum, sondern um gutes Management. Dabei ist CSR kein zusätzliches einzelnes Projekt, sondern ein Prozess, der Verantwortung entlang der vier Handlungsfelder Ökonomie, Arbeitsplatz, Gemeinwesen und Ökologie in das Kerngeschäft eines Unternehmens integriert und unternehmensspezifisch mit Leben füllt. Es geht nicht darum, in allen Punkten ideologisch nachhaltig zu handeln, also etwa die gesamten Geschäftsbriefe auf Recycling-Papier zu drucken. Sondern darum, die richtigen Fragen im Kerngeschäft zu stellen: Wo ist der größte Hebel in meinem Betrieb, um einen sozial-ökologischen Mehrwert zu schaffen?

Unternehmerisch verantwortliches Handeln – Pflicht oder Kür?

Als Ausgangs- und Orientierungspunkt für unternehmerisch verantwortliches Handeln dient das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns. Wirklich? Sind dieses Leitbild und damit die Werte des Ehrbaren Kaufmanns noch modern? Die Praxis zeigt: Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit, das Vorleben von Werten, Umsichtigkeit und langfristiges Denken – für viele Unternehmen sind diese Werte nach wie vor wichtiger Bestandteil ihres Handelns und spiegeln ihre innere Haltung wider. Die Werte des Ehrbaren Kaufmanns sind mithin zeitlos.
Der Ehrbare Kaufmann übernimmt Verantwortung für seine Entscheidungen und für die Auswirkungen auf sein Umfeld. Verantwortliches Handeln im Sinne einer ganzheitlichen CSR-Strategie bedarf nicht zwingend umfassender personeller oder finanzieller Ressourcen. Entlang der eigenen Werte zu wirtschaften bedeutet, aus vielen Möglichkeiten – wie aus einem Werkzeugkoffer – die für sich individuell passenden CSR-Maßnahmen herauszugreifen, neu umzusetzen oder Bewährtes fortzuführen.
Warum lohnt sich CSR im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns? Unterschätzt wird der Mehrwert eines guten CSR-Managements, von unternehmerischer Verantwortung, die nicht reaktiv erfolgt und vor allem von innen herauskommt. Mittels einer ganzheitlichen CSR-Strategie können Betriebskosten gesenkt oder einfacher Mittel am Kapitalmarkt beschafft werden. Bei der Entwicklung neuer oder der Weiterentwicklung bestehender Produkte können Unternehmen durch die Ausrichtung an Nachhaltigkeitsaspekten Wettbewerbsvorteile erzielen und Innovationen treiben. Denn in einer Zeit, die von Digitalisierung und Ressourcenknappheit geprägt ist, verkaufen Unternehmen nicht mehr nur Produkte – auch die Haltung spielt eine immer wichtigere Rolle. Und darauf achten Kunden.

Ausblick

Die Chancen sind vielfältig. Wer Verantwortung übernimmt, profitiert von einer höheren Produktivität. Denn: Motivierte Mitarbeiter leisten mehr. Auch können Kosten gesenkt werden, beispielsweise, weil werteorientierte Arbeitgeber eine niedrigere Fluktuationsrate haben und so die Rekrutierungskosten senken können. Zudem lässt sich der Absatz steigern: Denn unter welchen Bedingungen produziert wird, interessiert verstärkt auch Investoren, Partner und Verbraucher. Gerade KMU können von diesem Ansatz profitieren, denn sie nehmen mit ihrem Engagement - der Unternehmensverantwortung im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns - bereits viele Effekte von CSR vorweg. Nutzen sie dieses Potential, können sie die Unternehmensleistung steigern und Mitbewerber überholen. Es kommt auf eine geschickte Kombination des Managementsystems CSR und der Intuition des Unternehmers an: Dann wird aus einem Bauchgefühl eine Strategie. Und davon profitieren letztlich alle – der Einzelne, das Unternehmen und die Gesellschaft.

IHK-Veranstaltungsreihe

24. September 2018, 15:30 bis 18:00 Uhr in der IHK zu Essen
Der Business Case Nachhaltigkeit - welche Chancen und Innovationsperspektiven bietet verantwortungsvolles Wirtschaften für Ihr Unternehmen?
6. November 2018, 16:00 bis 18:00 Uhr in der IHK zu Essen
Wandel durch Handel: Fairer Handel - Pflicht oder Kür?
Weitere Informationen und Anmeldung hier.