Neu im Geschäft?!

Steuern für Existenzgründer

 


Vor Beginn der Geschäftstätigkeit 

Schon bevor Sie mit Ihrer eigentlichen selbständigen Tätigkeit beginnen, fallen Kosten an, die mit ihrer zukünftigen Tätigkeit unmittelbar zusammenhängen (Beispiele: Anmietung von Geschäftsräumen, Beraterhonorar, Kosten für Seminare). Diese können als sog. vorweggenommene Betriebsausgaben im Rahmen der Einkommensteuererklärung bei der Gewinnermittlung der selbstständigen Tätigkeit angesetzt werden. Sammeln Sie sämtliche in diesem Zusammenhang stehenden Belege, denn das Finanzamt wird diese Ausgaben nur anerkennen, wenn sie durch entsprechende Unterlagen nachvollziehbar und glaubhaft sind.
Achten Sie auf vollständig und richtig ausgestellte Rechnungen, denn u.U. können Sie die darin ausgewiesene Umsatzsteuer auch bereits im Vorfeld zu Ihrer Tätigkeit als Vorsteuer geltend machen.

Beginn der Geschäftstätigkeit

Der Gewinn aus Ihrer selbstständigen Tätigkeit muss versteuert werden. Auf diese Weise partizipiert der Fiskus an der unternehmerischen Betätigung des Unternehmers. Das Finanzamt sendet jedem Gewerbetreibenden - unterrichtet durch die Gewerbemeldestelle der Stadt - den "Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” (abrufbar in der rechten Spalte) zu. Dieser dient dazu, Ihre persönlichen und betrieblichen Verhältnisse näher zu erfahren (z.B. Adresse, geschätzter Gewinn, andere Einkünfte).
Das Finanzamt vergibt nach Eingang des ausgefüllten Fragebogens eine Steuernummer, unter der Sie zukünftig dort geführt werden und die Sie bitte auch bei jeder Korrespondenz mit der Finanzverwaltung angeben.
Freiberufler müssen ihre selbstständige Tätigkeit nicht bei der Stadt anmelden, sondern lediglich dem zuständigen Finanzamt den Beginn formlos mitteilen; sie erhalten dann ebenfalls den Fragebogen und eine finanzamtsbezogenen Steuernummer.  

Steuerliche Gewinnermittlungsarten

Bei den steuerlichen Gewinnermittlungsarten sind in der Regel die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) des Handelsrechts zu beachten. Dies bedeutet, dass sich ein sachverständiger Dritter (z.B. Steuerprüfer des Finanzamts) innerhalb angemessener Zeit anhand der Geschäftsunterlagen und Aufzeichnungen ein Bild von den Geschäftsvorfällen und der Lage des Unternehmens machen kann. Alle Geschäftsvorfälle sind vollständig, richtig und geordnet zu erfassen, so dass sie in ihrer Entstehung und Abwicklung nachvollziehbar sind.
Der Gewinnermittlungszeitraum ist grundsätzlich das Kalenderjahr. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Wirtschaftsjahr aber auch davon abweichen (zum Beispiel im Jahr der Aufnahme der Tätigkeit). Die Unterlagen zur Gewinnermittlung müssen zehn Jahre - sonstige Unterlagen, soweit sie für die Besteuerung von Bedeutung sind, sechs Jahre - aufbewahrt werden, sofern steuerrechtliche Vorschriften nichts anderes bestimmen.
Es gibt zwei Arten der steuerlichen Gewinnermittlung:
Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich
Zur Gewinnermittlung durch Betriebsvermögensvergleich (sog. „doppelte Buchführung”) sind u.a. folgende Personen immer verpflichtet:
  • ins Handelsregister eingetragene Kaufleute
  • Kapitalgesellschaften
  • gewerbliche Unternehmer, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, wenn der Jahresumsatz mehr als 600.000 € oder - bei denen der gewerbliche Gewinn mehr als 60.000 € beträgt.
Beim Betriebsvermögensvergleich wird das Betriebsvermögen am Schluss des Wirtschaftsjahres mit dem Betriebsvermögen am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres verglichen. Privat veranlasste Vorgänge dürfen den steuerlichen Gewinn nicht beeinflussen und müssen daher unberücksichtigt bleiben:
Entnahmen müssen dem Gewinn hinzugerechnet, Einlagen dem Gewinn abgezogen werden. Das Ergebnis daraus ist der steuerpflichtige Gewinn, die Grundlage für die Berechnung der Einkommensteuerschuld.
Bei der doppelten Buchführung werden alle Geschäftsvorfälle auf Konten verbucht. Ein Kontenplan ist das Gliederungsschema aller relevanten Konten. Dabei gibt es Kontenpläne, die für jeden Betrieb aus den verschiedenen Kontenrahmen seines Wirtschaftszweiges entwickelt wurden (z.B. Kontenrahmen für den Einzelhandel, für den Groß- und Außenhandel und Gemeinschaftskontenrahmen für die Industrie).
Er enthält nur die für die Unternehmung tatsächlich nötigen und von ihr geführten Konten. Die doppelte Buchführung soll den periodengerechten Gewinn ermitteln.
Aus diesem Grund müssen auch Periodenabgrenzungen vorgenommen, Rückstellungen gebildet und Forderungen oder Verbindlichkeiten gebucht werden. Daher sind nicht nur die tatsächlichen Zahlungsströme relevant, sondern jedem Geschäftsvorfall ist eine Buchung zuzuordnen: „keine Buchung ohne Beleg!”
Wer zur „doppelten Buchführung” verpflichtet ist oder diese freiwillig machen möchte, muss zu Beginn der Tätigkeit eine Inventur durchführen und eine Eröffnungsbilanz erstellen. Bei der Inventur sind alle Wirtschaftsgüter des Betriebes körperlich und wertmäßig zu erfassen und in ein Verzeichnis (Inventar) einzutragen. Zum Ende des Geschäftsjahres muss wieder ein Inventar und eine Schlussbilanz erstellt werden. Wareneingangs- und Warenausgangsbuch sind zu führen.
Alle baren Zahlungsvorgänge müssen in einem Kassenbuch festgehalten werden.

Befreiung von der Pflicht zur Buchführung und Erstellung eines Inventars, 
 § 241a HGB:

Eine Befreiung von der Buchführungs-, Bilanzierungs- und Inventurpflicht für Kaufleute mit in kaufmännischer Weise eingerichtetem Geschäftsbetrieb ist möglich bei Einzelkaufleuten, die in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 600.000 € Umsatz und nicht mehr als 60.000 € Jahresüberschuss erzielen, können sich von der Buchführungs-, Bilanzierungs- und Inventurpflicht nach Handelsrecht befreien.
Die Befreiungsregelung kann außerdem auch bei Neugründung in Anspruch genommen werden. Dazu müssen die o.g. Voraussetzungen am Ende des ersten Geschäftsjahres vorliegen.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Das Steuerrecht erlaubt dem Steuerpflichtigen, der
  • nicht zum Betriebsvermögensvergleich verpflichtet ist oder
  • auch nicht freiwillig Bücher führt oder
  • dessen Umsatz nicht höher als 600.000 € oder deren Gewinn aus Gewerbebetrieb nicht höher als 60.000 € ist,
die Ermittlung des steuerlichen Gewinns durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Freiberufler sind hingegen - unabhängig dieser Voraussetzungen - immer zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung verpflichtet. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung stellt eine vereinfachte Gewinnermittlungsmethode dar und richtet sich nach § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz (EStG). Bei der Einnahmen-Überschuss-Rechnung handelt es sich um eine Gegenüberstellung von Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben nach dem Prinzip:
Betriebseinnahmen
./. Betriebsausgaben
Gewinn oder Verlust
Maßgeblich ist grundsätzlich der tatsächliche Zeitpunkt des Zuflusses bzw. Abflusses des Geldes. (Ausnahmen z. B. bei Wirtschaftsgütern, die der Abnutzung unterliegen (z.B. Gebäude, technische Geräte, Büromöbel). Die Geschäftsvorfälle werden in chronologischer Reihenfolge aufgrund der Buchungsbelege in einem Journal aufgezeichnet. Das Nettoentgelt, die Umsatzsteuer und der Gesamtbetrag müssen einzeln aufgezeichnet werden. Folgende Aufzeichnungen müssen zudem erfolgen:
  • Kassenbuch
    Bareinnahmen und Barausgaben sollten täglich in ein Kassenbuch eingetragen werden. Der Barbestand laut Kassenbuch muss mit dem tatsächlichen Bestand an Bargeld übereinstimmen.
  • Wareneingangsbuch
    Jeder Gewerbebetrieb ist verpflichtet, alle eingekauften Halb- und Fertigwaren, aber auch Roh,- und Hilfsstoffe aufzuzeichnen (Datum, Lieferer, Bezeichnungen, Preis, Beleg-Hinweis).
  • Warenausgang
    Ein Warenausgangsbuch (Datum, Abnehmer, Warenbezeichnung, Preis, Beleghinweis) braucht nur geführt werden, wenn z.B. Waren vom Großhändler an andere gewerbliche Unternehmer geliefert werden.
  • Verzeichnisse der (nicht-)abnutzbaren Anlagegüter
    Die Verzeichnisse müssen die Bezeichnung des Wirtschaftsguts, das Anschaffungs-/ Herstellungsdatum, die Anschaffungs-/Herstellungskosten selbst, ggf. die Nutzungsdauer und die jährliche Abschreibung für Abnutzungen (AfA) enthalten.

Aktuell: EÜR-Vordruck und AfA 

Ab dem Veranlagungszeitraum 2017 sind grundsätzlich alle Steuerpflichtigen, die ihren Gewinn durch Einnahmenüberschussrechnung ermitteln, zur Übermittlung der standardisierten Anlage EÜR nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung verpflichtet. Die bisherige Regelung, nach der bei Betriebseinnahmen von weniger als 17.500 € die Abgabe einer formlosen Einnahmenüberschussrechnung als ausreichend angesehen worden ist, läuft damit aus. Informationen zur Übermittlung durch Datenfernübertragung sind unter https://www.elster.de/elfo_home.php erhältlich. In Härtefällen kann die Finanzbehörde auf Antrag weiterhin von einer Übermittlung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung verzichten. Für diese Fälle stehen in den Finanzämtern Papiervordrucke der Anlage EÜR zur Verfügung.

AfA- Abschreibung für Abnutzung für bewegliche, abnutzbare Wirtschaftsgüter (planmäßig) - Neue Wertgrenze ab 2018!
Die Grenze für sog. geringwertige Wirtschaftsgüter (gWG), also ein bewegliches, abnutzbares Wirtschaftsgut des Anlagevermögens, das selbstständig nutzbar ist, liegt bisher bei 410 € (netto) und ist in § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG geregelt, und wurde seit 1965 nicht mehr geändert.
Das „Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechte-überlassungen“ sieht nun vor, dass diese Grenze auf 800 € (netto) € ab 2018 angehoben wird. Betroffen hiervon sind selbstständig nutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, wie beispielsweise Arbeitsgeräte, Tablets oder Büro- und Geschäftsausstattung.
Deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten (AK/HK) können künftig bis zu einem Wert von 800 € sofort abgeschrieben werden.
  • AK/HK bis 250 € (bisher 150 €), netto
Diese Wirtschaftsgüter können entweder sofort als gWG abgeschrieben werden oder aber auch aktiviert und über die Nutzugsdauer abgeschrieben werden; dann müssen Sie in einem Bestandsverzeichnis aufgenommen werden.
  • AK/HK über 250 € bis 800 €, netto
Hier greift nun die neue Regelung: Diese Wirtschaftsgüter dürfen im Jahr des Zugangs sofort als Betriebsausgabe abgeschrieben werden – allerdings müssen Sie im Anlageverzeichnis erfasst werden. Das Wahlrecht, „Aktivierung oder Bildung eines Sammelpostens“ bleibt weiterhin bestehen.  Der Sammelposten wir mit 20 % jährlich abgeschrieben, wobei dieses Wahlrecht einheitlich für alle Zugänge eines Jahres erfolgen. Sollte ein Wirtschaftsgut aus dem Sammelposten ausscheiden, hat dies keine Auswirkungen auf den Sammelposten als solches.
  • AK/HK über 800 € bis 1000 €, netto
Hier besteht das Wahlrecht „Aktivierung oder Bildung eines Sammelposten“; s.o.
  • AK/HK über 1000 €, netto
Diese Wirtschaftsgüter sind in ein Anlageverzeichnis aufzunehmen und über die voraussichtliche  Nutzungsdauer abzuschreiben (§ 7 EStG).
Darüber hinaus wird bei der Poolabschreibung die Wertuntergrenze (von bislang 150 €) auf 250 € angehoben (§ 6 Abs. 2a Sätze 1, 4 EStG). Somit können Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 250,01 € bis 1.000,00 € (≤ 1.000 €) pro Wirtschaftsjahr in einem Sammelposten zusammengefasst und über eine Dauer von fünf Jahren gewinnmindernd aufgelöst werden (jährliche Poolabschreibung von 20%). 

Wichtige Steuerarten

3.1. Umsatzsteuer (USt)
Jeder Unternehmer (also Freiberufler und Gewerbetreibender) ist grundsätzlich verpflichtet, alle vereinnahmten bzw. vereinbarten Entgelte für Lieferungen oder sonstige Leistungen (getrennt nach Steuersätzen, steuerpflichtigen und steuerfreien Umsätzen) aufzuzeichnen. Die von einem Unternehmer im Inland ausgeführten Lieferungen (z.B. Warenverkäufe) oder sonstige Leistungen (z.B. Dienstleistungen) unterliegen regelmäßig der Umsatzsteuer. Der Regelsteuersatz beträgt 19 %, der ermäßigte Steuersatz 7 % (Bücher, Zeitschriften, Lebensmittel etc.). Von der Umsatzsteuerschuld kann der Unternehmer grds. die von seinen Vorlieferanten für Leistungen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen. Das Ergebnis ist entweder eine Umsatzsteuerschuld oder ein Umsatzsteuererstattungsanspruch gegenüber dem Finanzamt. Beides ist aber beim Finanzamt fristgerecht anzumelden (Umsatzsteuer-Voranmeldungen) und im ersteren Fall zeitig abzuführen.
Beispiel:
Einkauf Ware von Großhändler
Nettoeinkaufswert 15.000 €
+ 19% Umsatzsteuer (Vorsteuer) 2.850 €
Zahlung an Großhändler 17.850 €

Verkauf Ware an Verbraucher
Nettoverkaufswert 20.000 €
+ 19% Umsatzsteuer 3.800 €
Zahlung vom Verbraucher 23.800 €

Berechnung der Umsatzsteuerschuld
Umsatzsteuer aus Warenverkauf 3.800 €
./. abzugsfähige Vorsteuern (Umsatzsteuer Einkauf) 2.850 €
Umsatzsteuerschuld = Zahllast an das Finanzamt 950 €
Um einen Vorsteueranspruch geltend machen zu können, ist es für Existenzgründer nicht unbedingt erforderlich, schon Umsätze zu tätigen. Sie können Vorsteuerbeträge auf Gründungskosten und auf Anschaffungen im Zusammenhang mit der Existenzgründung beim Finanzamt selbst dann geltend machen, wenn die tatsächliche Aufnahme der selbständigen Tätigkeit erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Wichtig ist nur, dass die gesamten Aufwendungen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem künftigen Unternehmen stehen und dem Finanzamt diese nachgewiesen bzw. glaubhaft gemacht werden. Bei Umsätzen an andere Unternehmer muss der Steuerbetrag grundsätzlich in der Rechnung gesondert ausgewiesen werden.
Angaben in Rechnungen (ohne Berücksichtigung von Sonderfällen):
  • Vollständiger Name und vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers,
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des leistenden Unternehmers,
  • Ausstellungsdatum der Rechnung,
  • Fortlaufende Rechnungsnummer,
  • Menge und Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände oder Umfang und Art der sonstigen Leistung,
  • Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung,
  • Nach Steuersätzen und einzelnen Steuerbefreiungen aufgeschlüsseltes Entgelt für die Lieferung oder sonstige Leistung (Nettobetrag ohne Umsatzsteuer),
  • Jede im Voraus vereinbarte Minderung des Entgelts, soweit sie nicht bereits im Entgelt berücksichtigt ist,
  • Anzuwendender Umsatzsteuersatz sowie auf das Entgelt entfallender Steuerbetrag oder Hinweis auf Steuerbefreiung.
Rechnungen über Kleinbeträge
Für Rechnungen, deren Gesamtbetrag 250 € (seit dem 01.01.2017 durch das BEG II eingeführt)) nicht übersteigt (sog. Kleinbetragsrechnungen) gelten vereinfachte Vorschriften. Die Rechnungen müssen folgende Angaben enthalten:
  • Vollständiger Name und vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers,
  • Ausstellungsdatum der Rechnung,
  • Menge und Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände oder Umfang und Art der sonstigen Leistung,
  • Entgelt und darauf entfallender Steuerbetrag in einer Summe,
  • Anzuwendender Umsatzsteuersatz oder Hinweis auf Steuerbefreiung.
Kleinunternehmerregelung
Nimmt der Unternehmer seine Tätigkeit im Laufe eines Kalenderjahres neu auf, schuldet er keine Umsatzsteuer, wenn der voraussichtliche Umsatz des laufenden Jahres 17.500 € nicht übersteigen wird. Hat der Unternehmer seine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit nur in einem Teil des Kalenderjahres ausgeübt, so ist der tatsächliche Gesamtumsatz in einen Jahresgesamtumsatz umzurechnen. Angefangene Kalendermonate sind bei der Umrechnung grundsätzlich als volle Kalendermonate zu behandeln.
Rechtsfolgen:
- keine (fristgerechte) Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen
- keine Geltendmachung der Vorsteuer
- keine Berechtigung, die Umsatzsteuer gesondert in Rechnung zu stellen (geschieht dies dennoch, schuldet der Unternehmer diese auch gegenüber dem Finanzamt!).
Überschreitung der Grenze
Wird die Kleinunternehmergrenze von 17.500 € im laufenden Jahr überschritten, hat das unmittelbare Konsequenzen fürs Folgejahr. Ohne dass das Finanzamt dazu ausdrücklich auffordern muss, unterlieget der Unternehmer ab Januar des nächsten Jahres automatisch der Regelbesteuerung: Dann muss Umsatzsteuer abgeführt werden, ganz gleich, ob Sie das rechtzeitig bemerkt haben oder nicht! (siehe Beschluss des BFH vom 18.10.2007, Az. V B 164/06)
Hinweis
Der Gesetzgeber geht bei Vorliegen der Voraussetzungen automatisch von der Kleinunternehmerregelung aus. Durch einfache Erklärung gegenüber dem Finanzamt kann der Unternehmer jedoch auf diese Regelung verzichten und die Umsätze - allerdings mit einer Bindungsfrist von fünf (!) Kalenderjahren - normal versteuern und am Vorsteuerabzugsverfahren teilnehmen.
3.2. Einkommensteuer (ESt)
In die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer fließt der Gewinn, der im Rahmen der selbständigen Tätigkeit erzielt wird. Das Einkommensteuerrecht kennt sieben abschließende Einkunftsarten; u.a. auch die „Einkünfte aus Gewerbebetrieb” und „Einkünfte aus selbständiger Arbeit”. Erzielt der Steuerpflichtige Einkünfte einer oder mehrerer Einkunftsarten, sind für die Ermittlung der Bemessungsgrundlage der Einkommensteuer grundsätzlich die positiven Einkünfte, aber auch ggf. Verluste bei den einzelnen Einkunftsarten, zusammenzurechnen.
Da im Einkommensteuerrecht das Leistungsfähigkeitsprinzip gilt, sind bestimmte individuelle Sachverhalte (sach- und personenbezogene Beträge) zu berücksichtigen.
3.3. Körperschaftsteuer (KSt)
Die Körperschaftsteuer ist die „Einkommensteuer juristischer Personen” (z.B. GmbH, AG). Steuersubjekt ist die jeweilige Gesellschaft als eigenes Rechtssubjekt. Vorauszahlungen auf die Körperschaftsteuerschuld setzt das Finanzamt nach den Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” fest, sofern mit einem Gewinn gerechnet wird. Der Körperschaftsteuersatz beträgt einheitlich 15 %.
3.4. Gewerbesteuer (GewSt)
Die Berechnung der Gewerbesteuer - die natürlich nur für Gewerbetreibende relevant ist - beruht auf einem zweistufigen System:
1. Stufe: Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrags
Basis für die Berechnung der Gewerbesteuer ist der Gewerbeertrag. Zugrunde liegt diesem der Gewinn aus Gewerbebetrieb, wobei dieser noch durch eine Fülle von Hinzurechnungen und Kürzungen nach dem Gewerbesteuergesetz korrigiert wird. Während bei der Ermittlung des Gewerbesteuermessbetrages bei Einzelunternehmern/Personengesellschaften ein Freibetrag von
24.500 € abgezogen wird, wird dieser bei Kapitalgesellschaften (GmbH) nicht gewährt. Der Gewerbeertrag wird in beiden Fällen mit einer einheitlichen Steuermesszahl von 3,5 % multipliziert. Das Finanzamt stellt den Gewerbesteuermessbetrag fest und erlässt einen Gewerbesteuermessbescheid.
2. Stufe: Ermittlung der Gewerbesteuer
Auf den Gewerbesteuermessbetrag wendet die Gemeinde den jeweiligen gemeindlichen Hebesatz (für 2018: Essen: 480 %, Mülheim an der Ruhr: 550 %, Oberhausen: 580 %) an, setzt die Gewerbesteuer durch einen Gewerbesteuerbescheid fest und erhebt diese.
 

Laufend wiederkehrende Steuerpflichten (exemplarisch)

 4.1. Lohnsteuer (LSt)
Löhne und Gehälter müssen monatlich abgerechnet und die einbehaltenen Lohn- und Kirchensteuerbeträge beim Finanzamt angemeldet und abgeführt werden. Auch die Sozialversicherungsbeiträge müssen berechnet und entrichtet werden. Der Unternehmer sollte diese Aufgaben besonders ordentlich und gewissenhaft machen, da die Versicherungsträger und das Finanzamt Prüfungen durchführen und auch noch für einige zurückliegende Jahre Nachforderungen festsetzen und erheben können.
4.2. Umsatzsteuer (USt)
In den ersten zwei Jahren ab Gründung des Unternehmens sind die getätigten Umsätze und die darauf entfallende Steuer in der monatlichen Umsatzsteuer-Voranmeldung und der Umsatzsteuerjahreserklärung (bis 31.05. des Folgejahres) zu erklären. Die Umsatzsteuervoranmeldung muss bei Existenzgründern bis zum 10. des Folgemonats beim Finanzamt in elektronischer Form eingereicht werden. Gleichzeitig ist ggf. eine entsprechende Zahlung fällig (Ausnahme: „Kleinunternehmerregelung”, s.o.).
 4.3. Einkommensteuer (ESt)
Die Einkommensteuervorauszahlungen richten sich zunächst nach der Höhe des von Ihnen erwarteten Einkommens (Angaben im „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung”). Das Finanzamt setzt die ersten Vorauszahlungen nach Ihren Angaben im Betriebseröffnungsbogen fest; sie sind vierteljährlich zum 10.3., 10.6., 10.9. und 10.12. zu leisten.
4.4. Gewerbesteuer (GewSt)
Bei der Gewerbesteuer sind ebenfalls vierteljährliche Vorauszahlungen am 15.2., 15.5., 15.8. und 15.11. zu leisten, soweit die Voraussetzungen vorliegen.
4.5. Körperschaftsteuer (KSt)
Die Vorauszahlung auf die Körperschaftsteuer setzt das Finanzamt nach den Angaben im Betriebseröffnungsbogen fest, sofern mit einem Gewinn gerechnet wird.
Darüberhinaus werden am Jahresende zudem umfassende Abschlussarbeiten fällig. Hierzu gehören bei dem Betriebsvermögensvergleich die Inventur durch körperliche Bestandsaufnahme (zählen, messen, wiegen), die Erstellung einer Inventarliste, eines Bestandsverzeichnisses des Anlagevermögens, die Abstimmung und der Abschluss der Buchführung, die Gewinnermittlung, Abschluss der Lohnkonten, Durchführung des Lohnsteuer-Jahresausgleichs bei den Arbeitnehmern und Ausfüllen der Lohnsteuerkarten. Weiterhin sind ggf. die Umsatzsteuer-, die Gewerbesteuer-, die Einkommensteuer- und die Körperschaftsteuer-Jahreserklärungen anzufertigen.
Aktuell:
            Durch das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens wurden 
            die Abgabefristen für Steuererklärungen verlängert: 
            Die neuen Fristen gelten dann erstmals für die Jahreserklärungen 2018, die
            dann regelmäßig bis zum 31.07.2019 zu übermitteln sind (bisher 31.05.) 
Dabei sind alle Erklärungen und Anmeldungen elektronisch abzugeben. Die Anwender haben dabei die Wahl zwischen der kostenlosen Software ElsterFormular (www.elster.de)  oder Steuerprogrammen kommerzieller Anbieter.
Zwar kann das Finanzamt „zur Vermeidung unbilliger Härten“ auf die elektronische Abgabe der Steuererklärung verzichten, die Hürde zur Anerkennung ist allerdings hoch. Die Finanzverwaltung entscheidet dies "auf zeitigen Antrag im Einzelfall“.


Rechtsformwahl und Steuerrecht

Die steuerlichen Konsequenzen aus Ihrer gewerblichen Tätigkeit hängen zum Teil davon ab, in welcher Rechtsform Ihr Unternehmen geführt wird. Dabei ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen Einzelunternehmer und Personengesellschaft (z.B. GbR, OHG) sowie Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH). Eine generelle Aussage, welche Rechtsform insgesamt die Günstigste ist, ist nicht möglich. Zu berücksichtigen sind neben der rein steuerrechtlichen Beurteilung auch zivilrechtliche Kriterien wie z.B. Haftungsbeschränkung, Finanzierungsbedarf, persönliche Fähigkeiten und Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung.

HINWEIS

Wir können die steuerrechtlichen Grundsätze aufgrund der Komplexität und Kompliziertheit des deutschen Steuerrechts nur im Überblick darstellen. Haben Sie wenig oder keine Erfahrung in Buchführungs- und Steuerfragen ist es sinnvoll, rechtzeitig fachliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Unordnung im steuerlichen Bereich hat schon manchem (Jung-)Unternehmer große Schwierigkeiten bereitet und führt(e) in zahlreichen Fällen direkt in die Insolvenz, denn der Fiskus verzichtet nur in strengen Ausnahmefällen und unter besonderen Voraussetzungen auf die Zahlung der Steuerschulden!
Wichtig ist also, das Thema "Steuern" im Blick zu behalten und ggf. entsprechende Rücklagen einzuplanen.
Als erster Ansprechpartner steht Ihnen für allgemeine steuerliche Fragen Ihr zuständiges Finanzamt zur Verfügung. In Einzelfragen und Details ist jedoch die Inanspruchnahme eines Steuerberaters und die Hilfe eines Rechtskundigen sicherlich unumgänglich und als Start für ein erfolgreiches Geschäft in jedem Fall eine gute Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens. 

Service Ihrer IHK zu Essen

Die IHK zu Essen bietet einen „IHK-Steuerberatersprechtag“ als Einstiegs- und Erstberatung für IHK-zugehörige oder zukünftige Unternehmen in unserem Kammerbezirk an. In einem vertraulichen Einzelgespräch von bis zu einer halben Stunde haben potenzielle und bestehende Mitgliedsunternehmen aus dem Bezirk der IHK zu Essen die Möglichkeit, steuerliche Fragen mit einem Steuerberater zu klären. Das Angebot ist kostenfrei und unverbindlich.
Termine in 2018 (Raum  001, Servicecenter, Erdgeschoss): 
  • Donnerstag, 03. Mai
  • Donnerstag, 20. September
  • Donnerstag, 15. November
Anmeldung mit einem Fragebogen und weitere Informationen können Sie unter Dok.-Nr. 287672 abrufen. Bitte beachten Sie, dass diese Erstinformation nicht die reguläre Begleitung Ihrer selbstständigen Tätigkeit durch einen Steuerberater ersetzt!
 
Januar 2018