Sommer, Sonne, Ferienjob!

Ferienjobs, Beschäftigung von Schülern und Studenten

Sommerzeit ist Ferienjobzeit. Viele Jugendliche nutzen die schulfreie Zeit, um ihr Taschengeld aufzubessern. Auch für Arbeitgeber kann die Beschäftigung von Ferienjobbern interessant sein. Schließlich handelt es sich bei ihnen um preiswerte Arbeitskräfte, aus deren Masse man unter Umständen Nachwuchs rekrutieren kann. Bei der Beschäftigung Jugendlicher und von Studenten sind allerdings einige Regeln zu beachten.

Arbeitsschutz für Kinder und Jugendliche ist noch wichtiger als Arbeitsschutz für Erwachsene. Denn Kinder und Jugendliche sind weniger widerstandsfähig als erwachsene Menschen und dürfen daher nicht den gleichen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt werden. Wer das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist Kind im arbeitsrechtlichen Sinne. Kinder dürfen nur unter bestimmten, engen Voraussetzungen arbeiten.
Bis zur Vollendung des 13. Lebensjahres dürfen Kinder grundsätzlich nicht arbeiten. Ausnahmen gelten nur zum Zwecke der Beschäftigungs- und Arbeitstherapie, im Rahmen des Betriebspraktikums während der Vollzeitschulpflicht und in Erfüllung einer richterlichen Weisung (§ 5 Abs. 2 JArbSchG).
Ab dem 13. Geburtstag dürfen Kinder maximal zwei Stunden täglich arbeiten, sofern die Sorgeberechtigten in die Arbeit einwilligen und es sich um eine leichte und für Kinder geeignete Arbeit handelt. Die Arbeitszeit darf nicht vor oder während des Schulunterrichtes und nur in der Zeit von 8 bis 18 Uhr liegen. Bei der Arbeit in landwirtschaftlichen Familienbetrieben beträgt die höchstzulässige tägliche Arbeitszeit ausnahmsweise drei Stunden. Bei öffentlichen Konzerten, beim Theater und bei ähnlichen Veranstaltungen dürfen Kinder nur aufgrund einer besonderen Ausnahmegenehmigung mitwirken.
·         Austragen von Zeitungen und Werbeprospekten
·         Tätigkeiten in Haushalt und Garten
·         Botengänge
·         Die Betreuung von Kindern und anderen zum Haushalt gehörenden Personen
·         Nachhilfeunterricht
·         Betreuung von Haustieren
·         Einkaufstätigkeiten mit Ausnahme des Einkaufs von alkoholischen Getränken und Tabakwaren
·         Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben
·         Handreichungen beim Sport
·         Arbeiten, die mit dem Heben, Absetzen, Schieben, Ziehen, Tragen und Bewegen von Lasten verbunden sind
·         Tätigkeiten, die aufgrund einer ungünstigen Körperhaltung physisch belastend sind
·         Arbeiten, die mit erhöhten Unfallgefahren verbunden sind, insbesondere wenn anzunehmen ist, dass Kinder sie wegen mangelnden Sicherheitsbewusstseins oder mangelnder Erfahrung nicht erkennen oder abwenden können.
Mit Vollendung des 15. Lebensjahres
werden Kinder zu Jugendlichen. Während der Schulferien dürfen Schülerinnen und Schüler über 15 Jahre einen Ferienjob von höchstens 4 Wochen im Kalenderjahr ausüben. Sie dürfen bis zu acht Stunden täglich zwischen 6 und 20 Uhr beschäftigt werden. Für Jugendliche gilt die 5-Tage-Woche. Gefährliche Arbeiten sind grundsätzlich unzulässig. Vor allem Arbeiten, die die Leistungsfähigkeit von Jugendlichen übersteigt, oder solche, die mit besonderen Unfallgefahren verbunden sind. Auch dürfen Jugendliche keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie außergewöhnlicher Hitze, Kälte und Nässe oder gesundheitsschädlichem Lärm, gefährlichen Strahlen und gefährlichen Arbeitsstoffen ausgesetzt sind. Akkordarbeit und andere tempoabhängige Arbeit ist für Jugendliche verboten.
In zahlreichen, besonders geregelten Fällen sind bei Jugendlichen ab 16 bzw. 17 Jahren Ausnahmen statthaft. So können Jugendliche ab 16 Jahren in Gaststätten bis 22.00 Uhr, in mehrschichtigen Betrieben und bei Musikaufführungen u.ä. bis 23.00 Uhr und in Bäckereien ab 5.00 Uhr beschäftigt werden.
Von der Samstagsruhe sind in § 16 Abs. 2 JArbSchG Ausnahmen für Krankenhäuser, Bäckereien, Gaststätten, Theater u. a. geregelt. Gleiches gilt für die Sonntagsruhe in § 17 Abs. 2 JArbSchG. Allerdings ist in den vorgenannten Sonderfällen durch Freistellung an den Wochentagen bei Wochenendarbeit immer eine Fünf-Tage-Woche einzuhalten, §§ 15, 16 Abs. 3 und 17 Abs. 3 JArbSchG.
Hinweis:
Vor Einstellung für die Ferienarbeit sollte unbedingt
• eine schriftliche Erlaubnis der Eltern, eine Ausweiskopie des Jugendlichen sowie durch einen Ausdruck der Elektronischen LohnSteuerAbzugsMerkmale (ELStAM)- die Nachfolgerin der Lohnsteuerkarte – vorliegen
• Dauer und Art der Tätigkeit sowie die Höhe der Vergütung schriftlich festgehalten und
• die Tätigkeit bei der Berufsgenossenschaft angezeigt werden.
Im Übrigen ist jeder Arbeitgeber, der Jugendliche beschäftigt, verpflichtet, einen Abdruck des Jugendarbeitsschutzgesetzes im Betrieb auszuhängen oder auszulegen.
Die Einhaltung des Kinder- und Jugendarbeitsschutzes überwachen die Aufsichtsbehörden der Bundesländer. Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz können als Ordnungswidrigkeiten, in schweren Fällen sogar als Straftaten verfolgt und mit Geldbußen bis zu 15.000 € belegt werden.
Sozialversicherungs- und steuerrechtliche Aspekte bei Schülern zum Ferienjob
Schüler, die ein Arbeitsentgelt erhalten, sind ebenso wie andere Arbeitnehmer grundsätzlich sozialversicherungs- und steuerpflichtig. Werden Ferienjobber als angestellte Arbeitnehmer tätig und stellt der Job das einzige Beschäftigungsverhältnis dar, fallen diese in die Steuerklasse 1. Die Lohnsteuer ist dann erst ab einem Verdienst von mehr als 1000 Euro im Monat zu entrichten. Eine Einstufung in die Steuerklasse VI hingegen erfolgt, wenn der Schüler noch einer zweiten Beschäftigung nachgeht.
Regelmäßige stundenweise Tätigkeit
Die Schüler, die regelmäßig stundenweise im oben vorgestellten zulässigen Rahmen beschäftigt werden, werden in aller Regel als „Minijobber“ (geringfügig Beschäftigte im Niedriglohnbereich) zu behandeln sein. Voraussetzung: das Entgelt darf pro Monat 450 € nicht übersteigen.
„Echter“ Ferienjob
Die Schüler, die einen „echten“ Ferienjob (nur während der Ferien) ausüben, sind sog. kurzfristig Beschäftigte, wenn die Tätigkeit im Voraus vertraglich oder nach ihrer Eigenart zeitlich auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres angelegt ist. Von dem Drei-Monats-Zeitraum ist nur dann auszugehen, wenn der Minijob an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird. Bei Beschäftigungen von regelmäßig weniger als fünf Tagen in der Woche ist auf den Zeitraum von 70 Arbeitstagen abzustellen.
Für kurzfristige Minijobs bis zum 31.12.2014 und ab dem 01.01.2019 gelten jedoch wieder die vorherigen Vorgaben von maximal zwei Monaten respektive 50 Arbeitstagen.
Auf die Höhe des Einkommens aus einer solchen Beschäftigung kommt es – anders als bei den 450 Euro-Minijobs – nicht an.
Folge: Diese kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei.  Es besteht nur die Pflicht, den Schüler bei der Minijobzentrale an- und abzumelden. Die kurzfristige Beschäftigung ist aber steuerpflichtig.
Der Arbeitgeber muss die Einkünfte des Schülers entweder mit der elektronischen Lohnsteuerkarte oder pauschal mit 25% Lohnsteuer versteuern. Voraussetzung für die pauschale Besteuerung ist, dass der Schüler nicht mehr als 18 Arbeitstage zusammenhängend beschäftigt ist und sein Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer durchschnittlich 12 € pro Stunde und 72 € pro Tag nicht überschreitet. Weitere Informationen unter www.minijob-zentrale.de
Beschäftigung von Studenten
Die Beschäftigung von Studenten als Aushilfen und insbesondere in den Semesterferien ist in vielen Branchen üblich und für die Arbeitgeber weniger problematisch, weil Studenten regelmäßig volljährig sind.
Beschäftigung während des laufenden Semesters
Während des laufenden Semesters sind Studenten als Beschäftigte von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit, wenn die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden pro Woche nicht überschreitet. Von der Rentenversicherungspflicht sind Studenten dagegen nur dann befreit, wenn die Beschäftigung als „kurzfristige Beschäftigung“ oder als „Minijob“ einzustufen ist. Sind Studenten regelmäßig mit einem Arbeitsentgelt bis zu 450 € tätig, handelt es sich in der Regel um einen „Minijob“.
Semesterferien
In der von Vorlesungen freien Zeit (sogenannte „Semesterferien“) sind Studenten als Beschäftigte von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung komplett befreit, und zwar unabhängig von der wöchentlichen Arbeitszeit oder der Höhe des Entgelts. Von der Rentenversicherungspflicht sind sie dagegen nur dann befreit, wenn es sich um eine „kurzfristige Beschäftigung“ oder einen „Minijob“ handelt.
Eine „kurzfristige Beschäftigung“ liegt vor, wenn die Tätigkeit im Voraus vertraglich oder nach ihrer Eigenart zeitlich auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahres angelegt ist. Von dem Drei-Monats-Zeitraum ist nur dann auszugehen, wenn der Minijob an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird. Bei Beschäftigungen von regelmäßig weniger als fünf Tagen in der Woche ist auf den Zeitraum von 70 Arbeitstagen abzustellen. Auf die Höhe des Einkommens aus einer solchen Beschäftigung kommt es - anders als bei den 450 Euro-Minijobs - nicht an.
Rechtsfolge
Diese kurzfristigen Beschäftigungsverhältnisse sind sozialversicherungsfrei. Es besteht nur die Pflicht, den Studenten bei der Minijobzentrale an- und abzumelden; die kurzfristige Beschäftigung ist aber steuerpflichtig. Der Arbeitgeber muss die Einkünfte des Studenten entweder mit der elektronischen Lohnsteuerkarte oder pauschal mit 25% Lohnsteuer (ohne Vorlage der Lohnsteuerkarte) versteuern. Rechtsgrundlage ist hier § 40 a EStG (Pauschalierung der Lohnsteuer für Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte):
Der Arbeitgeber kann danach (...) bei Arbeitnehmern, die nur kurzfristig beschäftigt werden, die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 % des Arbeitslohns (zuzügl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) erheben. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer bei dem Arbeitgeber gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt wird, die Dauer der Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt und der Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer 72 € durchschnittlich je Arbeitstag nicht übersteigt oder die Beschäftigung zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich wird. Weitere Informationen erhalten Sie bei der Minijobzentrale (Link in der rechten Spalte)
Das Finanzministerium der Finanzen NRW hat eine Broschüre zu dem Thema "Steuertipps für Schülerinnen, Schüler und Studierende" aktuell von Juli 2018 aufgelegt. Diese kann kostenfrei unter https://www.finanzverwaltung.nrw.de/de/broschuerenservice-0 heruntergeladen werden.
Hinweis:
Bitte beachten Sie, dass auch der Mindestlohn in diesem Bereich ein Thema sein kann. Informationen hierzu finden Sie auf unser Homepage hier
 
Stand: 12.07.2018