IHK-Jahresempfang 2017 im Prenses Palace in Essen

Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu Gast bei der IHK

Der diesjährige Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen (IHK) fand im Prenses Palace in Essen statt. Vor mehr als 300 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien griff IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und Region auf.
So lobte sie die aktuellen Entwicklungen in den MEO-Städten Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen, die mit konkreten Bauprojekten – wie z. B. der „City-Tower“ – in die Zukunft investieren und damit für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung sorgen. „Diesen Lauf müssen wir weiter fortsetzen. Und dazu brauchen wir starke Partner, die die Interessen der Wirtschaft mit kraftvoller Stimme vertreten“, betonte die IHK-Präsidentin mit Blick auf die Bundestagswahl am 24. September.
Neben ihren Glückwünschen an die neuen Bundestagsabgeordneten übermittelte sie auch eine klare Bitte: „Wir brauchen mehr Geld für Breitband, Brücken und Bildung. Denn diese werden private Investitionen nach sich ziehen und dadurch einen wirtschaftlichen Impuls setzen.“ Kritisch äußerte sich Kruft-Lohrengel zur aktuellen Dieseldebatte. Kommunen und Unternehmen sollten nicht die Probleme ausbaden, die an anderer Stelle verursacht wurden. Mit der neuen Bundesregierung verbindet die Präsidentin Hoffnung auf umsetzbare Lösungen – Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Innenstädte sollten nur als letztes Mittel in Betracht gezogen werden. „Viele Versprechungen sind dazu im Vorfeld der Wahl gefallen. Interessant wird, welche konkreten Taten folgen.“
Passend dazu zog Kruft-Lohrengel ein erstes Fazit über die neu gebildete Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. So begrüßte sie die Absicht, sich für flexiblere Ladenöffnungszeiten und den Erhalt verkaufsoffener Sonntage einzusetzen. Dies hatte die IHK-Vollversammlung in einer Resolution in Abstimmung mit dem Handelsverband Nordrhein-Westfalen Ruhr e. V. gefordert. Denn flexible Ladenöffnungszeiten sind ein wichtiges Instrument der Handels- und Stadtentwicklung in der MEO-Region.
Sorge bereitet Kruft-Lohrengel die regionale Infrastruktur. Eine erfolgreiche und effiziente Verkehrspolitik ist für NRW gerade aufgrund seiner zentralen Lage unverzichtbar. Als vor einigen Wochen die A40-Brücke Neuenkamp wegen mehrere Risse gesperrt werden musste, fanden parallel dazu Arbeiten an der A42 statt. „In diesen Tagen ging nichts mehr. Für die betroffenen Unternehmen bedeutete das erhebliche Beeinträchtigungen und konkreten wirtschaftlichen Schaden. So konnten Transporte weder verlässlich geplant noch durchgeführt werden“, beklagte die Präsidentin. Der Investitionsstau der vergangenen Jahre könne jederzeit an anderer Stelle wieder zum Verkehrsstau führen. Hier zügig und wirksam gegenzusteuern, müsse eine der Hauptaufgaben der neuen Landesregierung sein. „Schnelle Planung, effizientes Baustellenmanagement und stärkere Koordinierung müssen jetzt in den Fokus! Das ist keine leichte Aufgabe. Aber eine, die gemacht werden muss.“
Die Bilanz am Ausbildungsmarkt sorgte ebenfalls für Ernüchterung: Trotz des erfolgreich abgeschlossenen „IHK-Aktionsplans Ausbildung 2017“, wodurch u. a. mehr als 100 offene Ausbildungsplätze eingeworben werden konnten, wurden Ende August nur 3.251 neue Ausbildungsverträge bei der IHK registriert und damit ein Rückgang von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hier ist die Politik gefragt, um dem Akademisierungstrend entgegenzuwirken, das Image der dualen Ausbildung aufzupolieren und Ideen zur Fachkräftesicherung zu entwickeln. „Von unseren Betrieben wissen wir, dass weiterhin Facharbeiter dringend gesucht werden. Die Aktivitäten rund um die Fachkräftesicherung müssen intensiviert werden, um den Bedarf der Unternehmen zu decken“, so die Präsidentin.
Zum Abschluss ihrer Rede wies Kruft-Lohrengel auf die im Oktober anstehenden Wahlen zur IHK-Vollversammlung hin: Insgesamt kandidieren 119 Unternehmerinnen und Unternehmer um einen der 85 Sitze im IHK-Parlament, darunter 29 Frauen. Die Präsidentin dankte den Bewerbern für ihre Bereitschaft, sich künftig ehrenamtlich für die regionale Wirtschaft einzusetzen. Gleichzeitig rief sie die IHK-Mitgliedsunternehmen auf, sich an der Wahl zu beteiligen und mitzuentscheiden.
Bildquellen: IHK zu Essen/Kerstin Bögeholz
BU 1:
IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel (vorne) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerald Püchel (1.v.r.) mit Tülay Koca (2.v.l), Inhaberin des Prenses Palace in Essen, Ulrich Scholten, Oberbürgermeister von Mülheim an der Ruhr (2.v.r.), sowie Thomas Kufen, Oberbürgermeister von Essen (1.v.l.), der auch eine Rede hielt.
BU 2:
Mehr als 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien folgten der IHK-Einladung in den "Prinzessinnenpalast".