Klares Votum für Europäische Union

IHK: Konjunktur in der MEO-Region setzt Aufwärtstrend fort – Klares Votum für Europäische Union

„2017 ist ein gutes Jahr für die Unternehmen in der MEO-Region. Knapp 94 Prozent bewerten ihre gegenwärtige Lage mit gut oder befriedigend. Das ist ein tolles Ergebnis, denn im Vergleich zum letzten Jahr sind es nochmal zwei Prozentpunkte mehr“, fasst IHK-Präsidentin Jutta Kruft-Lohrengel die Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage unter den Unternehmen der MEO-Region bei der IHK-Jahrespressekonferenz zusammen.

Auch bei dem Ausblick in die Zukunft konnten die optimistischen Ergebnisse vom letzten Jahr übertroffen werden: „29 Prozent erwarten, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den kommenden 12 Monaten verbessern wird – und damit neun Prozentpunkte mehr als 2016. Lediglich vier Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Lage in etwa gleichbleiben wird. Der positive Trend hält also an“, freut sich Kruft-Lohrengel.

In dem Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung sieht die IHK ein positives Signal an die Unternehmen in der MEO-Region. So werden wichtige Anliegen wie z. B. Bürokratieabbau, Investitionen in den digitalen Ausbau und Fachkräftesicherung als künftige Schwerpunktthemen genannt. „Insbesondere begrüßen wir die Ankündigung, acht verkaufsoffene Sonntage und flexiblere Öffnungszeiten einzuführen - gerade im Hinblick auf den Wettbewerb zum Online-Handel. Dennoch würde ein neues Ladenöffnungsgesetz für mehr Rechts- und Planungssicherheit sorgen“, so die Präsidentin und verweist auf die Chance durch mehr Verkaufstage an Sonntagen in Großstädten wie Essen, ähnlich wie in Berlin.

Auch die Absicht, NRW als Industriestandort zu stärken und für neue Industrie- und Gewerbeflächen zu sorgen, ist ein Pluspunkt. „Alles in allem begrüßen wir die Ankündigungen der neuen Landesregierung – und freuen uns umso mehr, wenn auf Worte Taten folgen. Wir als IHK stehen für eine kritisch-konstruktive Zusammenarbeit bereit.“

Ebenso erfreulich ist es, dass die neue Landesregierung dem Thema Brexit gebührende Aufmerksamkeit schenkt, indem sie plant, einen Brexit-Beauftragten zu ernennen. Insbesondere die international tätigen Unternehmen in der MEO-Region verfolgen die aktuelle Entwicklung rund um die Brexit-Verhandlungen: 72 Prozent vertreten die Auffassung, dass der europäische Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten – freier Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital - nicht durch Zugeständnisse an Großbritannien ausgehöhlt werden darf. „Für die regionale Wirtschaft steht bei den Verhandlungen mit einem ihrer wichtigsten Handelspartner eine Menge auf dem Spiel: So unterhalten mehr als 300 Unternehmen direkte geschäftliche Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerald Püchel. Laut Umfrage hat die „Geschwindigkeit in den Brexit-Verhandlungen“ für die Unternehmen höchste Priorität – mit einem Wert von 1,78 auf einer Skala von 1 (hohe Priorität) bis 5 (keine Priorität).

Für Dr. Püchel steht fest: „Die Frage bleibt: ‚Europäische Union: ja oder nein?‘. Mit dem Sieg der EU-freundlichen Kandidaten bei den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich im ersten Halbjahr 2017 zeichnet sich mittlerweile wieder ein Trend in Richtung ‚pro Europa‘ ab.“

Ein weiteres Thema, dass die Unternehmen umtreibt, ist die Rekrutierung von Fachkräften – das zeigt auch die aktuelle Umfrage. Jeder zweite Betrieb beklagt hier Schwierigkeiten. Jeder Vierte davon findet keine geeigneten Azubis. Auffällig ist, dass die größten Probleme bei der Suche nach beruflich qualifizierten Personen bestehen und nicht bei Akademikern. „Die Umfrage zeigt erneut, dass eine akademische Ausbildung nicht automatisch die besten Berufschancen bietet. Derzeit sind gerade beruflich qualifizierte Fachkräfte bei Unternehmen stark gefragt“, erklärt Kruft-Lohrengel.

Auch neu zugewanderte Menschen werden von den Betrieben für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt noch nicht berücksichtigt. „Zwei Gründe dominieren bei der Frage, warum es noch keine Erfahrungen gibt: Erstens fehlende Sprachkenntnisse und zweitens keine geeigneten Bewerber. Bei entsprechender Eignung und Bedarf gebe es für viele Unternehmen allerdings keinen Grund, zugewanderte Menschen nicht zu beschäftigen“, so Kruft-Lohrengel. Bislang haben erst knapp 14 Prozent der Unternehmen Erfahrungen mit der Beschäftigung von Flüchtlingen: mehrheitlich sind sie hier als Praktikant oder Festangestellter beschäftigt. Ein kleiner Teil lernt auch als Azubi. „Wir begrüßen es sehr, dass die neue Landesregierung die Rahmenbedingungen für die berufliche Bildung deutlich verbessern will. Denn eine gute berufliche Ausbildung bleibt eine der besten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben“, sind sich Kruft-Lohrengel und Dr. Püchel einig.
Das Bild können Sie rechts unter „weitere Informationen“ downloaden. Bildquelle: IHK zu Essen