21.07.2017

Türkei: IHK zu Essen erwartet zunehmende Investitionszurückhaltung

Die aktuellen diplomatischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei werden nach ersten Einschätzungen der Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen weiter belasten. Vertrauensverlust und vermehrte Unsicherheit dürften das Engagement und die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen beeinträchtigen. „Eingeschränkte Exportkreditversicherungen und Investitionsgarantien würden die Zurückhaltung deutscher Firmen noch verstärken“, sagt Veronika Lühl, stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführerin und Leiterin des Geschäftsbereichs International.
Aufgrund der jüngsten Zuspitzung der politischen Spannungen ist mit einem Handelsrückgang von mehr als 10 Prozent zu rechnen, so eine aktuelle Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). „Dies ist umso bedauerlicher, da die Türkei zur Modernisierung ihres Landes dringend auf Technologie aus dem Ausland angewiesen ist“, so Lühl.
„Für die Wirtschaft in der MEO-Region ist der türkische Markt nicht unbedeutend“, betont Lühl. Aktuell haben rund 3.000 im Handelsregister eingetragene NRW-Unternehmen Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei, in der MEO-Region sind es gut 150.
2016 wurden allein in den gewerblichen Branchen Waren im Wert von rund 7,8 Milliarden Euro NRW-weit bzw. geschätzt rund 460 Millionen Euro in der MEO-Region mit der Türkei gehandelt. Die Exporte in die Türkei nahmen bereits 2016 spürbar ab (-13 Prozent), während die Importzahlen ein deutliches Plus (13 Prozent) aufwiesen.
Die IHK geht von einer Fortsetzung oder Verstärkung einer rückläufigen Exportentwicklung aus. In der MEO-Region dürften die Bereiche Maschinenbau, Chemie und Elektrotechnik am meisten betroffen sein, so Lühl.
Nach dem Referendum im April 2017 wurde von deutschen Unternehmen in der Türkei signalisiert, dass sie - angesichts der grundsätzlichen Attraktivität des Marktes - durchhalten wollen und auf bessere Zeiten setzen. Dies hatte die deutsch-türkische Industrie- und Handelskammer - die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) mit Sitz in Istanbul - auf Nachfrage der IHK unterstrichen.
Nach wie vor sprechen die geostrategische Lage und die demographische Konstellation - die Türkei ist ein junges Land mit wachsender Bevölkerung - mittel- und langfristig für gute Perspektiven auch für die deutschen Unternehmen. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen seit April noch einmal deutlich verschlechtert.