06.02.2018

IHK legt 100. Konjunkturbericht vor

Konjunkturmotor in der MEO-Region läuft auf hohen Touren - Industrie in Topform
Der Konjunkturmotor in der MEO-Region läuft weiter auf hohen Touren: 39 Prozent der befragten Unternehmen in den Städten Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen vergeben das Konjunkturprädikat „gut“. Damit geht der Anteil gegenüber der Herbstumfrage zwar um drei Prozentpunkte leicht zurück. Zuletzt wurde jedoch ein Spitzenwert erzielt, der nicht noch einmal getoppt wurde. Etwa jedes 13. Unternehmen berichtet von einer schlechten Lage. Mehr als jeder zweite Betrieb zeigt sich mit seiner wirtschaftlichen Lage zufrieden. Mit einem Saldo von 31 Punkten präsentiert sich die Konjunktur – auch mit Blick auf die vorausgegangenen Jahre – sehr erfreulich.
„Die Konjunktur in der MEO-Region läuft rund. Viele Unternehmen berichten von vollen Auftragsbüchern. Skeptisch sehen die Betriebe jedoch die langwierige Regierungsbildung auf Bundesebene. Das sorgt für Unsicherheiten. Es fehlt an Klarheit, wie der politische Kurs der nächsten Jahre aussehen wird“, erklärt Dr. Gerald Püchel, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK).
Dennoch: Aktuell wird die Zukunft von den Unternehmen günstig beurteilt. Knapp ein Viertel der Befragten rechnet mit einer nochmals verbesserten Entwicklung in den nächsten Monaten. Gleichzeitig sinkt der Anteil mit negativen Geschäftserwartungen um drei Prozentpunkte auf neun Prozent. Mehr als zwei Drittel der Betriebe rechnen mit einem gleichbleibenden Verlauf.
Der Konjunkturklimaindex der MEO-Region hält sich mit 123 Punkten auf einem hohen Niveau und bleibt verglichen mit der Herbstbefragung unverändert. Gemeinsam nehmen sie die höchsten Werte der letzten sieben Jahren ein. So lauten die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK zu Essen. Sie fließen in den 100. Ruhrlagebericht der fünf Ruhrgebiets-IHKs ein.
Die Unternehmen gehen von einer weiteren deutlichen Belebung des Exports aus. Mehr als jedes dritte Unternehmen rechnet mit höheren Ausfuhren in den nächsten Monaten. Das ist ein kräftiges Plus von neun Prozentpunkten im Vergleich zur Herbstbefragung. Gleichzeitig reduziert sich der Anteil der Betriebe, die von einem schlechteren Auslandsgeschäft ausgehen, um fünf Prozentpunkte. „Der Export ist ein starkes Standbein unserer Wirtschaftsregion. Die Unternehmen stehen jedoch auch vor offenen Fragen: Wie läuft die konkrete Ausgestaltung des Brexit? Wie entwickelt sich der schwelende Nordkorea-Konflikt? Welche Auswirkungen hat die protektionistische Agenda der Trump-Administration? Hier bleiben Unsicherheiten, die sich negativ auf den Wachstumsverlauf auswirken können“, skizziert der IHK-Hauptgeschäftsführer die Herausforderungen.
Die Industrie in der MEO-Region zeigt sich überwiegend in Topform. Fast jeder zweite Betrieb meldet eine gute Lage. Dagegen beurteilen nur sechs Prozent die aktuelle Situation als schlecht. Gegenüber der Herbstbefragung hat sich die wirtschaftliche Lage im produzierenden Gewerbe nochmals verbessert. Der Konjunkturklimaindex erreicht mit 132 Punkten den höchsten Wert der letzten zehn Jahre und macht verglichen mit der Herbstumfrage einen kräftigen Sprung nach oben.

„Die Industrie ist stark auf breiter Basis. Wermutstropfen bleiben jedoch die schlechten Nachrichten einzelner Unternehmen, bei denen wertvolle Industriearbeitsplätze verloren gehen. Die Betriebe haben sich in den letzten Jahren fit für den Wettbewerb gemacht. Jetzt brauchen sie politische Flankierung durch die richtigen Rahmenbedingungen“,
stellt Dr. Püchel heraus. Dazu zählen für die Industrieunternehmen eine leistungsfähige Infrastruktur und eine niedrige Abgabenquote.
In der Dienstleistungswirtschaft herrscht weiterhin eine gute Stimmung. Die Lagebewertung fällt zwar gegenüber dem Herbst etwas verhaltener aus. So verliert der Saldo sechs Punkte. Dennoch liegt er mit 32 Punkten weiter satt im positiven Bereich. 41 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Situation als gut (Herbst: 45 Prozent). Nur jeder elfte Betrieb meldet eine schlechte Lage (Herbst: 6 Prozent). Der Konjunkturklimaindex verringert sich um zwei Punkte gegenüber dem Herbst und liegt mit 121 Punkte wieder auf dem Vorjahresniveau.
Der Handel beurteilt seine aktuelle Geschäftslage positiv: 27 Prozent der Kaufleute berichten von einer guten Situation. Damit hat sich der Anteil zwar gegenüber dem Herbst um fünf Prozentpunkte reduziert. Gleichzeitig schrumpft aber auch der Anteil, der mit seiner Lage unzufrieden ist, um insgesamt sieben Prozentpunkte. Dadurch verbreitert sich die Basis derjenigen, die mit der derzeitigen Situation zufrieden sind auf 66 Prozent (Herbst: 54 Prozent).
Die IHK zu Essen befragt gemeinsam mit den IHKs im Ruhrgebiet zweimal im Jahr die Unternehmen zu konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Themen. Insgesamt fließen so die Rückmeldungen von rund 900 Unternehmen mit etwa 124.000 Beschäftigten in den Ruhrlagebericht ein. Der gesamte Konjunkturbericht „Ruhrlage“ sowie die regionale Auswertung sind unter www.essen.ihk24.de abrufbar.