Pressemitteilung

IHK legt aktuellen Konjunkturbericht vor: MEO-Wirtschaft robust aufgestellt - Brexit wirkt sich auf Auslandsinvestitionen aus

Die Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Essen (IHK) berichten weiterhin von einer guten Geschäftslage. 44 Prozent der befragten Unternehmen in den Städten Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen bewerten ihre aktuelle Situation als gut. Damit geht die positive Einschätzung geringfügig um einen Prozentpunkt gegenüber dem Herbst zurück. Elf Prozent der befragten Betriebe beklagen eine schlechte Geschäftslage. Dieser Anteil stieg gegenüber der Vorbefragung um vier Prozentpunkte an. Erfreuliches Ergebnis: Bei den Erwartungen nimmt der Anteil der Optimisten zu. 26 Prozent der Befragten schätzen die Aussichten besser ein. Die grundsätzlich gute Bewertung der wirtschaftlichen Lage drückt sich auch im Konjunkturklimaindex aus: Mit 124 Punkten liegt er nur einen Punkt unter dem Wert vom Herbst 2018.
„Die Unternehmen der MEO-Region sind robust aufgestellt. Das ist eine gute Nachricht. Schließlich wird bundesweit derzeit vor allem über ein nachlassendes Wachstum berichtet. Für den überwiegenden Teil unserer Betriebe stellt sich das noch anders dar“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerald Püchel. „In unserer Region werden gerade auch Investitionsgüter hergestellt, die von langfristigen Aufträgen leben. Insofern wirken sich konjunkturelle Rückgänge nicht so schnell aus. Zusätzlich verfügt die Region über eine breite Basis an Dienstleitungsunternehmen. Diese profitieren von der gut laufenden Binnennachfrage“, so Püchel.
Unklarheiten beim Brexit, nachlassendes Wachstum in China oder Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten - allen Unsicherheiten zum Trotz rechnen die Unternehmen mit einer weiteren deutlichen Belebung des Exportgeschäfts. „Die Unternehmen kennen und benennen diese Risiken. Sie ändern jedoch nichts am grundsätzlichen Optimismus“, zeigt sich der Hauptgeschäftsführer erfreut.
Ein Drittel der befragten Betriebe geht von höheren Ausfuhren in den nächsten Monaten aus. Damit klettert der Wert um elf Prozentpunkte verglichen mit den Herbstergebnissen kräftig nach oben. Gleichzeitig schmälert sich der Anteil der Betriebe, die von einem schlechteren Auslandsgeschäft ausgehen, um sechs Prozentpunkte auf nun 12 Prozent. „Schwerwiegender würde sich sicherlich eine neuerliche Krise im Euroraum auswirken. Schließlich ist dies weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die Wirtschaft der MEO-Region. Insgesamt stimmen die Aussichten zuversichtlich, dass die Exportwirtschaft spürbare Impulse für die konjunkturelle Entwicklung geben wird“, so Püchel weiter.
Die Auslandsinvestitionen insgesamt ziehen an: Jedes vierte Unternehmen plant, seine Ausgaben zu steigern. Bei der Zielregion Großbritannien sind allerdings Rückgänge zu verzeichnen: Nur noch drei Prozent der Betriebe geben das Vereinigte Königreich als Ziel für ihre Investitionen an. Vor einem Jahr lag der Anteil noch spürbar höher. „Hier kommt sicherlich die Ungewissheit zum Ausdruck, wie der Brexit umgesetzt wird“, erklärt Dr. Püchel. „Infolgedessen werden mittel- bis langfristig wirkende Investitionen zunächst vermieden.“
In den einzelnen Wirtschaftszweigen sieht es wie folgt aus:
Die Spitzenwerte der Herbstbefragung kann die Industrie nicht mehr erreichen. Dennoch zeigt sich das verarbeitende Gewerbe in der MEO-Region in guter Verfassung: 47 Prozent – und damit sieben Prozentpunkte weniger als bei der vorigen Befragung - melden eine gute Lage. Dagegen beurteilen zwölf Prozent die aktuelle Situation als schlecht. Gegenüber der Herbstbefragung ist das eine Zunahme von neun Prozentpunkten. Große Sorgen bereitet dem Gewerbe neben dem Fachkräftemangel vor allem die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise.
Die aktuelle Situation hat sich im Handel deutlich verbessert: 42 Prozent der Kaufleute berichten von einer guten Lage. Der Anteil legt damit um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Herbst zu. Die Zahl der unzufriedenen Händler ist mit elf Prozent konstant geblieben. Gerade auch im Handel werden die angekündigten Dieselfahrverbote kritisch bewertet: Die Unternehmen befürchten Verschlechterungen beim Umsatz von Fahrzeugen und Zubehör, in der Auslieferung von Waren oder auch in einer verschlechterten Erreichbarkeit für Kunden.
In der Dienstleistungswirtschaft wird die aktuelle Lage negativer beurteilt als noch im Herbst. Gleichwohl kann man die Stimmung zweifelsfrei als erfreulich bezeichnen. 43 Prozent vergeben das Prädikat gut (Herbst: 47 Prozent). 10 Prozent beklagen eine schlechte Situation (Herbst: 7 Prozent). „Für die Mehrheit der Dienstleister verschärft sich der Fachkräftemangel. Gutes Personal zu finden, entwickelt sich zu einer der drängenden Herausforderungen. Hier sind zusätzliche Aktivitäten der Unternehmen notwendig. Beispielsweise kann die duale Ausbildung stärker in den Fokus genommen werden. Zusätzlich müssen die Betriebe mehr in die Vermarktung der eigenen Attraktivität als Arbeitgeber investieren“, fasst Dr. Püchel zusammen.
Die IHK zu Essen befragt gemeinsam mit den IHKs im Ruhrgebiet zweimal im Jahr die Unternehmen zu konjunkturellen und wirtschaftspolitischen Themen. Insgesamt fließen so die Rückmeldungen von rund 1.000 Unternehmen mit mehr als 110.000 Beschäftigten in den Ruhrlagebericht ein. Der gesamte Konjunkturbericht „Ruhrlage“ ist unter www.essen.ihk24.de abrufbar.